Product Placement – James Bond „Spectre“

Product Placement – James Bond „Spectre“

Product Placement in James Bond 007 Spectre

Product Placement – Markenwahn im Film

Heute feiert der neue Bond-Film „Spectre“ in London Premiere. Ab 5. November ist „Spectre“ dann auch in den deutschen Kinos zu sehen.
Obwohl oder gerade weil die James-Bond-Thriller nie sehr realistisch sind und vielen als zu sexistisch gelten ist die Reihe absoluter Kult. Bond, James Bond, ist seit mehr als 40 Jahren als Agent 007 im Dienste seiner Majestät. In seinem neuesten Abenteuer wird aus dem Geheimagent erneut ein PR-Agent: Für 17 Marken wird er wieder zum Werbebotschafter.

Product Placement ist bei Bond längst nichts Neues mehr.

Ein „sichtbarer“ Auftritt eines Produktes im Movie wird nicht dem Zufall überlassen. Welches Modell, wann und wie lange und in welchem Zusammenhang durch das Bild rollt, ist Gegenstand harter Verhandlungen. Und dabei geht es nicht um kleinere Beträge – es geht um Millionenbeträge. Im Fall von „Skyfall“ nennt man hinter vorgehaltener Hand eine Summe von bis zu 45 Millionen Dollar, die für Firmen verschiedener Branchen dafür gezahlt haben, dass ihre Produkte im Film eine Rolle spielen. Dabei würden die Unternehmen Schlange stehen, um einen Platz für ihre Produkte im Bond-Film zu bekommen.
Zitat eines Automanagers:

„Was in einem Bond-Streifen gezeigt wird, geht um die ganze Welt, die Wirkung ist kaum zu toppen. Welches Modell er gerade fährt, weiß wirklich jeder.“

Arrangiert werden die Verträge zwischen der Produktionsfirma des Agententhrillers und den Marken-Unternehmen von Mittelsmännern, die die entscheidenden Leute bei den Produktionsfirmen kennen. Diese bringen die Studiobosse, die Regisseure, die Drehbuchautoren und die Unternehmen an einen Tisch. Vertraulichkeit ist hierbei die Basis des Geschäftes „Product Placement“. Product Placement bedeutet übersetzt Markenplatzierung. Oder weniger freundlich ausgedrückt: Schleichwerbung. In Deutschland ist solche nicht gekennzeichnete Werbung in TV-Filmen der öffentlich-rechtlichen Sender verboten.

Es ist ohnehin eine Gratwanderung, auf die sich die Studios und die Hersteller der Markenprodukte begeben. Der Film darf nicht überfrachtet werden mit Werbebotschaften, sonst wird aus der positiven Botschaft schnell das Gegenteil. Das Publikum möchte einen Bond mit Handlung sehen und keine Dauerwerbesendung – und reagiert zunehmend mit Unmut.

In „Ein Quantum Trost“ waren die Werber etwas zu dreist und bekamen vom Internet-Magazin „brandchannel“ den „Film Whore Award“ (Film-Huren-Preis) verliehen.

Die Macher der 007-Movies stehen damit jedoch nicht alleine da.

Product Placement hat seit Jahrzehnten in der Filmbranche System. Bei „Ocean‘s Twelve“ rutschten mehr als 40 Produkte rein zufällig in die Handlung. Deutlich mehr noch beim Kinofilm „Sex and the City“. Und so trank James Bond neben Martinis nun auch Bier der Marke Heineken, steckt in Anzügen von Tom Ford und schaut auf seine Omega, möchte er die Uhrzeit wissen.
Auch wenn den Produzenten das Heineken Bier viel Kritik eingebracht – diese Biermarke sollte auch metaphorisch für ein neues Image von Bond-Schauspieler und Engländer Daniel Craig stehen. Die Markenplatzierung, das sogenannte Product Placement der Bier-Marke spülte zudem viel Geld in die Kassen – Heineken soll 45 Millionen Dollar für das Product Placement gezahlt haben.

Während im deutschen Privatfernsehen ein Werbeblock von knapp 30 Sekunden zur besten Sendezeit zwischen 50.000 und 65.000 Euro kosten kann, muss man in einen Hollywood-Streifen von 200.000 bis zu zwei Millionen Dollar investieren.

Sehr beliebt bei 007 sind Automobile der Oberklassen. Diesen bieten sich einmalige Marketingchancen. 007 steht für Männlichkeit und Erfolg. Er ist ein Draufgänger, aber mit Stil. Ideale Projektionsfläche für Premiumhersteller.
Bei BMW hieß es vor 3 Jahren dazu:

„Es geht bei Product Placement nicht darum, sofort höhere Stückzahlen von einem bestimmten Modell zu verkaufen. Es geht darum, das Image zu stärken, also um langfristige Markenbildung.“

Gewiss können die 007-Filmproduzenten auch aktuell jede finanzielle Unterstützung gebrauchen: „Spectre“ ist mit einem Budget von 250 bis 300 Millionen US-Dollar ein wirklich teures „Spektakel“ geworden. Um die Produktionskosten zu senken, ging man dieses Mal sehr weit. Die in Mexiko gedrehte Eröffnungssequenz von „Spectre“ soll entsprechend den Wünschen der mexikanischen Regierung geändert worden sein. Für rund 20 Millionen Dollar in Steuervergünstigungen und Zuschüssen sei die mexikanische Schauspielerin S. Sigman als Bond-Girl platziert worden, die Nationalität einer Gegenspielerin geändert und Mexiko City erscheine nun als moderne Metropole ohne Slums…

Noch eine Zahl für Statistik-Fans: Im aktuellen Bond-Film „Spectre“ wurden Auto’s im Wert von rund 30 Millionen Euro zu Schrott gefahren.